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Audi A4: Fast schon Oberklasse Autoumbauten für Rollstuhlfahrer

Der neue Audi A4 Avant mit Linksgas und MFD Touch im Test

Bei der Vorstellung des neuen A4 im Herbst 2015 hat Audi es spannend gemacht. Bilder vom neuen Modell wurden nur scheibchenweise enthüllt. Dabei unterscheidet sich der neue A4 vom alten vor allem durch nicht sofort sichtbare Ausstattungsmerkmale und Details. Für behinderte Menschen sind das gute Nachrichten, denn die üppigeren technischen Möglichkeiten machen das Fahren noch einfacher und bequemer.

Einsteigen, anmachen, losfahren war gestern. Wer heute in einen neuen Audi A4 mit nur mittlerer Ausstattung steigt, muss sich ein bisschen Zeit nehmen. Erstens zum Genießen der wirklich gelungenen Innenraumausstattung, vor allem aber, um sich mit der umfangreichen Technik vertraut zu machen. Das gelingt bei vielen Funktionen intuitiv, bei einigen aber nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man in den vergangenen zwei, drei Jahren kein nagelneues Auto gefahren hat. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass man den großen Drehknopf in der Mittelkonsole nicht nur zum Scrollen im feststehenden 7-Zoll-Display, sondern auch zum Schreiben nutzen kann? Wem es zu mühsam ist, sich beim Navigieren durch das Alphabet zu hangeln, kann einfach die Buchstaben auf den Drehknopf schreiben. Schon nach wenigen Buchstaben erscheinen die ersten Vorschläge.

Das Cockpit des Audi A4Ganz ähnlich ist es mit einigen anderen Funktionen auch, die man sich besser erklären lässt, bevor man startet. Der Audi A4 kann mit schier endlos vielen Assistenzsystemen ausgestattet werden, die einem nur dann wirklich helfen, wenn man sie sicher beherrscht: Notbremsassistent, Stau-, Spurhalte-, Abstandsassistent, Park-, Abbiege-, Effizienzassistent und einige mehr. Trotz gründlicher Einweisung wurde unser Testfahrer auf der Autobahn dennoch überrascht, als im Gehäuse des Außenspiegels immer mal wieder eine orange Lampe aufleuchtete: der Totwinkelwarner, der rechts wie links überholende Autos anzeigt. Er hilft sogar beim Aussteigen, um zu verhindern, dass man die Tür im falschen Moment öffnet.

Auf Wunsch zahlreiche Assistenten an Bord

Diese ganze Technik ist kein Selbstzweck, sie ist hilfreich – insbesondere für behinderte Menschen. Wer nur eine Hand zum Lenken hat (zum Beispiel, weil die andere auf dem Handbediengerät für Bremse und Gas liegt), freut sich, wenn das Fahrzeug ihn in vielen Situationen unterstützt. Bei unserem Testwagen waren das der Notbremsassistent, der Spurassistent und das Assistenzsystem Stadt mit dem Parkassistenten. Einzig der Spurassistent hat uns nicht überzeugt, weil er aus rechtlichen Gründen alle 17 Sekunden eine aktive Lenkaktion vom Fahrer verlangt. So soll sichergestellt werden, dass dieser aufmerksam bleibt. Bei einer zweistündigen Fahrt mit dem Spurassistenten wären das etwa 424 Eingriffe des Fahrers. Entlastung sieht wohl anders aus.

An behindertengerechter Sonderausstattung wies unser Testfahrzeug ein elektronisches Linksgas und einen Multifunktionsdrehknopf MFD Touch von Petri + Lehr auf. Beide Umbauten gehören zum Programm, das man bei Audi ab Werk mitbestellen kann. Das Pedal für das Linksgas war genauso gestaltet wie die beiden serienmäßigen Pedale unseres mit einem 7-stufigen s-tronic Automatikgetriebes ausgestatteten Wagens. Damit Fehlbedienungen vermieden werden, kann man durch einen unauffällig eingebauten Zusatzknopf in der Mittelkonsole wählen, welches Gaspedal aktiviert werden soll. Anders als bei vielen anderen Umbaulösungen dieser Art, hat sich unser A4 die Entscheidung gemerkt. Das macht es für Personen einfacher, die das Fahrzeug ständig nutzen, weil sie nicht jedes Mal aufs Neue umstellen müssen.

Souveränes Fahrverhalten in jeder Situation

Der MFD Touch von Petri + Lehr fügte sich harmonisch in das Gesamtbild des Innenraums ein. Bei der ohnehin üppigen technischen Ausstattung des Fahrzeugs hätte der Drehknopf für einen Laien auch leicht ein weiteres, noch unbekanntes Gimmick sein können. Die vier großen Taster am MFD Touch sind dezent, aber deutlich gekennzeichnet, sodass eine intuitive und problemlose Bedienung jederzeit möglich ist. Durch seine ergonomische Form liegt er auch auf längeren Fahrten gut in der Hand. Co-genialer Partner des MFD Touch war in unserem Testfahrzeug die optional erhältliche Dynamiklenkung. Durch sie lässt sich das Fahrzeug butterweich und beinahe ohne jeden Kraftaufwand lenken.

Das Fahrverhalten unseres Audi A4 Avant war sehr souverän. Hohe Geschwindigkeiten auf der Autobahn waren ihm kaum anzumerken und – nicht zuletzt dank der Akustikverglasung in den Türen vorne – auch nicht anzuhören. Dazu hat das Sportfahrwerk beigetragen, das den Wagen dem Asphalt ein bisschen näher bringt. Übrigens scheint der neue A4 vorausfahrenden Fahrzeugen auf der Autobahn durchaus grimmig in den Rückspiegel zu blicken. Jedenfalls räumten zahlreiche Fahrer auf der Autobahn freiwillig die linke Spur, ohne dass dazu irgendeine Aktion unseres Testfahrers nötig gewesen wäre.Der neue Audi A4 Avant

Stolzes Auto, stolzer Preis

Nicht zuletzt durch das Sportfahrwerk muss man tief runter, um sich in den A4 zu setzen. Das kann beim Ein- und Aussteigen für Rollstuhlfahrer ungünstig sein, lässt sich aber durch die elektrische Sitzhöhenverstellung (mit Memoryfunktion) abmildern. Dafür lässt sich der Fahrersitz herrlich weit nach hinten schieben, nämlich bis die Rückenlehne beinahe an den Rücksitz stößt. Dadurch wird viel Raum für das Verladen eines Rollstuhls in den Innenraum frei. Wer dafür lieber den Kofferraum nimmt (zum Beispiel mit einer Verladehilfe), hat beim Avant wenig Sorgen. Zwar ist der Kofferraum für einen Kombi nicht gerade üppig, für die meisten handelsüblichen Rollstühle reicht er aber allemal.

Zu guter Letzt müssen wir auch noch über Geld reden, und davon braucht man beim neuen Audi A4 Avant nicht wenig. Unser Testwagen, ein A4 Avant 2.0 TFSI quattro ultra, kostete in der Grundausstattung gut 40.000,- Euro brutto. Inklusive aller Extras und der behindertengerechten Umbauten lag der Preis bei gut 70.000,- Euro brutto. Da ist der Rabatt von 15 Prozent, den Audi behinderten Menschen unter gewissen Umständen gewährt, in vielen Fällen vermutlich sehr hilfreich, um in den Genuss eines solchen Fahrzeugs zu kommen.

(Text: Volker Neumann)

Fazit:

Der neue Audi A4 Avant gehört in der Mittelklasse zur Oberklasse. Er besticht optisch und technisch durch einen souveränen Auftritt. Die vielen möglichen Assistenzsysteme machen besonders behinderten Menschen das Auto fahren leicht. Der Kofferraum des Avant ist nicht superüppig, bietet aber ausreichend Platz für einen gängigen Rollstuhl. Bei so viel Technik gehört der Audi A4 Avant allerdings auch beim Preis zur Oberklasse der Mittelklasse.

Audi A4 Avant

Foto: Volker Neumann
Audi AG
Auto-Union-Straße 1
85045 Ingolstadt
Telefon: 0841 89-0
E-Mail: kundenbetreuung@audi.deInternet: www.audi.de und Informationen zu Fahrhilfen

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