MOBITIPP

Ihr Ratgeber für mehr Mobilität und Lebensqualität

Sascha Schrön: YouTuber mit professionellem Anspruch Mutmacher

Der Hamburger Bürokaufmann hat bereits mehrere Videos gedreht und baut gerade seine technische Ausstattung weiter aus.

Webseite, Facebook, Instagram und YouTube: Sascha Schrön ist vielseitig im Internet unterwegs. Die meiste Zeit und Leidenschaft investiert der Hamburger in seinen YouTube-Videokanal. Wenn alles klappt, will der 33-Jährige demnächst Filmproduktion studieren, um seine Projekte möglichst professionell umsetzen zu können. MOBITIPP hat den YouTuber nach seiner technischen Ausrüstung gefragt und wie er als Tetraplegiker ohne Fingerfunktion damit umgeht.

MOBITIPP: Videos zu produzieren, erfordert große Fingerfertigkeiten im Umgang mit der Technik. Warum hast Du Dir trotzdem YouTube-Videos für Deine Inhalte ausgesucht?

Sascha Schrön: Ich will anderen Menschen einen Einblick in mein Leben geben, das sich seit meinem Badeunfall 2008 komplett verändert hat. Ich will vermitteln, dass es sich lohnt, für seine Träume und Ziele zu kämpfen und dass man auch als schwerstbehinderter Mensch ein schönes Leben haben kann.

Für einen Videokanal habe ich mich entschieden, weil ich finde, dass Filme Emotionen besser transportieren als reiner Text. Manches lässt sich mit Worten ohnehin kaum beschreiben. Ich zeige zum Beispiel in einem fast zehnminütigen Video, wie ich eine sperrige Kamera-Umverpackung öffne und in Betrieb nehme, obwohl ich keine Fingerfunktion habe.*)

MOBITIPP: Mit welcher Ausrüstung arbeitest Du?

© privat

Sascha Schrön: Ich habe mir gerade eine neue Action-Kamera gekauft, eine GoPro Hero6 Black, weil meine bisherige Kamera keinen Bildstabilisator hatte. Dann habe ich noch eine Nikon D 5300 Spiegelreflexkamera. Die muss zwar mein persönlicher Assistent nach meinen Vorstellungen bedienen. Trotzdem macht sie natürlich Sinn.

Außerdem habe ich ein Aufnahmegerät für Interviews, verschiedene Mikrofone, Lampen und Stative. Zwei weitere Kameras will ich mir noch kaufen, damit ich unterschiedliche Perspektiven zeigen kann. Die meisten Sachen bestelle ich günstig im Internet. Eine Rollstuhlhalterung für die Kamera habe ich selbst entwickelt. Da hilft es, dass ich handwerklich begabt bin.

MOBITIPP:  Welches Schnittprogramm nutzt Du?

Sascha Schrön: Derzeit arbeite ich noch mit Adobe Premiere Elements. Ich möchte aber auf die Pro Version umsteigen, weil sie mehr Möglichkeiten bietet und durch das Studium auch billiger wäre.

MOBITIPP: Was ist das für ein Studium?

Sascha Schrön: Bei dem einjährigen Fernstudium lernt man zum Beispiel, wie man ein Drehbuch schreibt und wie Dramaturgie, Schnitt und Filmen funktionieren. Dann kann ich meinen Assistenten, ohne die die Filmerei nicht möglich wäre, genauer sagen, was ich mir vorstelle. Allerdings steht noch nicht ganz fest, ob das mit der Finanzierung tatsächlich klappt. Daumen drücken!

MOBITIPP: Dein neuer persönlicher Assistent ist Kameramann. Wie kommt denn das?

Sascha Schrön: Ich habe eine Ausschreibung gemacht, in der ich geschrieben habe, dass ich ein engagierter YouTuber bin. Über seine Mutter, die das gelesen hat, hat sich der junge Mann dann bei mir gemeldet. Das ist perfekt, auch wenn er nur als Minijobber bei mir arbeiten wird.

MOBITIPP: Wie reagieren denn die Leute auf Dich, wenn Du unterwegs filmst?

Sascha Schrön: Das war bisher voll in Ordnung. Manche fragen nach, wofür ich das mache. Ich habe auch nicht behinderte Zuschauer, die mehr über den Alltag behinderter Menschen wissen wollen.

 

Mehr über Sascha erfahrt Ihr auf seiner Webseite: www.wheelcity.de

Hier kommt Ihr zu seiner Facebook-Seite: https://www.facebook.com/wheelcityhh/

Hier geht’s zum Videokanal: https://www.youtube.com/c/Wheelcitylife

(Text: Brigitte Muschiol)

Sascha Schrön mit seiner Ausrüstung

© privat
Sascha Schrön arbeitet als Bürokaufmann bei der Stadt Hamburg. Diesen Beruf hat er bei einer Umschulung nach seinen Unfall gelernt. Als erste Ausbildung hatte er eine Elektrikerlehre begonnen. Auf der Suche nach einem neuen Hobby ist er auf die Videoproduktion für YouTube gestoßen. Der Hamburger erzählt zum Beispiel von seiner Querschnittlähmung und wie sein Leben heute abläuft. Er gibt Erfahrungen mit der Kostenerstattung von Hilfsmitteln weiter und widmet sich der Barrierefreiheit seiner Heimatstadt Hamburg.