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Renault Zoe: Schräger Vogel im Aufwind Das seniorengerechte Auto

Ist Deutschlands beliebtestes Elektroauto eine Alternative?

Die Zukunft gehört den Elektroautos, heißt es vonseiten der Politik. Einige Länder haben sogar schon das recht nahe Ende der Verbrennungsmotoren auf ihren Straßen eingeläutet. Wir wollten deshalb wissen, wie weit die Technik ist und ob Elektroautos schon eine echte Alternative zu einem Benziner oder Diesel sind. Hier ist unser Versuch der Annäherung.

Ebenso kontrovers, wie die Diskussionen um Elektroautos in der Öffentlichkeit sind, waren sie auch in unserer Redaktion. Während die Skeptiker diese Antriebsform generell als ökologischen Unsinn ablehnen, weil die Abgase nur woanders als am Auto selbst entstehen, gibt es eben auch die Enthusiasten, die in den Elektroautos die Rettung unserer Umwelt und individuellen Mobilität sehen.

Was davon zutrifft, können auch wir vom MOBITIPP nicht eindeutig klären. Fest steht aber: Ein Elektroauto ist etwas anderes als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Man muss Mobilität neu denken und darf die Möglichkeiten, Anforderungen und Kosten nicht 1:1 miteinander vergleichen. Klar, Gewohntes hat es meist leichter, weil man es eben gut kennt – manchmal schon seit Jahrzehnten. Neues hat dagegen meistens erst mal einen schweren Stand, vor allem wenn die Technik und ihre Handhabung nicht auf Anhieb einen ausgereiften Eindruck machen.

Reichweite ist auch wetterabhängig

Nehmen wir zum Beispiel die Reichweite: Mit einem Verbrennungsmotor kann man fast immer mindestens 450 bis 500 Kilometer kalkulieren, manchmal sogar deutlich mehr. Die Tankanzeigen sind heutzutage zuverlässig, das Tankstellennetz ist dichtmaschig und die Betankung ist innerhalb von wenigen Minuten erfolgt. Mit einem Reservekanister im Kofferraum hat man selbst in den entlegensten Gebieten kein Problem, noch irgendein Ziel zu erreichen.

Das alles sind Eigenschaften, mit denen ein Elektromotor nicht glänzen kann. Der von uns getestete Renault Zoe hat offiziell eine Reichweite von etwa 240 Kilometern. Das gilt allerdings unter optimalen Bedingungen, also mit neuen oder gepflegten Akkus bei einer durchschnittlichen Beanspruchung. Bleifußfahrten, lange Bergauffahrten, aber auch niedrige Außentemperaturen können die Reichweite erheblich senken. Derzeit ist der Renault Zoe mit Akkus mit 22 kWh (offizielle Reichweite 240 km) und 41 kWh (400 km) erhältlich. Im Alltag sind diese Reichweiten aber nicht erreichbar. Renault selbst gibt für das große Aggregat eine realistische Reichweite von etwa 300 Kilometern an.

Ohne Ladestation geht nichts

Das macht deutlich, dass der Renault Zoe sicher nicht das richtige Auto für einen Außendienstmitarbeiter oder die Reise ans Mittelmeer ist. Denn Ladestationen sind noch rar und die Ladezeit beträgt locker drei bis vier Stunden. Wer jedoch ein Fahrzeug für das heimische Umfeld sucht, kann im Renault Zoe eine Alternative finden. Allerdings nur dann, wenn eine Ladestation in der Nähe vorhanden ist oder sich in der heimischen Garage installieren lässt. Mit dem Strom aus der haushaltsüblichen Steckdose kann das Fahrzeug inzwischen zwar auch aufgeladen werden, das dauert aber etwa 26 Stunden.

Auch bei der Bedienung des Fahrzeugs muss man sich umstellen. Elektroautos haben keine Gangschaltung, auch keine automatische. Sie werden alleine über die Stromzufuhr zum Motor beschleunigt. Das erfolgt beim Anfahren mit einer kleinen Verzögerung, geht dann aber linear und ruckelfrei vonstatten. Der Renault Zoe braucht offiziell 13 Sekunden von 0 auf 100 km/h, was vergleichsweise gemächlich ist.

Gewöhnungsbedürftige Bedienung

In unserem Testfahrzeug hat es etwas irritiert, dass ein Widerstandspunkt etwa zwischen ¾-Gas und Vollgas eingebaut war. Dieser war so stramm eingestellt, dass es mühsam war ihn zu überwinden. Zudem hat der Widerstandspunkt es insbesondere bei schnelleren Fahrten auf der Autobahn beinahe unmöglich gemacht, die Geschwindigkeit komfortabel und feinfühlig zu dosieren, um im Verkehr mitzufließen. Aber wie gesagt: Dafür ist der Renault Zoe vielleicht auch nicht gebaut.

Unser Testwagen hat es übrigens laut Tachometer auf eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 130 km/h gebracht. Unter idealen Bedingungen ist vielleicht noch ein bisschen mehr drin, allerdings geht das sehr zulasten der Reichweite. Wer allerdings glaubt, in einem Elektroauto die Ruhe eines Kurorts zu genießen, der irrt. Zumindest in unserem Testwagen waren das Summen der Motoren und die Fahrgeräusche mindestens so laut wie in einem gut isolierten Mittelklassewagen mit Verbrennungsmotor.

Teures billiges Auto

Apropos Mittelklassewagen: Offiziell handelt es sich beim Renault Zoe um einen Kleinwagen, vergleichbar zum Beispiel mit einem VW Polo. Das trifft auf Qualität und Ausstattung auch voll und ganz zu. Lediglich beim Preis siedelt sich das Fahrzeug in der Mittelklasse an. Ab gut 22.000 Euro ist das Elektroauto zu haben, dafür bekommt man eine sehr spartanische Ausstattung, die nicht mal elektrische Fensterheber beinhaltet. Hinzu kommt außerdem eine monatliche Miete von mindestens 60 Euro im Monat für die Akkus.

Im Vergleich zu Fahrzeugen in dieser Klasse mit Verbrennungsmotor ist der Renault Zoe also nicht gerade ein Schnäppchen. Im Vergleich zu anderen Elektroautos allerdings schon. Die Modelle von Tesla beispielsweise beginnen erst beim etwa doppelten Preis und können bei den Spitzenmodellen je nach Ausstattung leicht sechsstellig werden. Zu bedenken ist auch, dass es derzeit (Stand November 2017) eine einmalige Umstiegsprämie vom Staat in Höhe von 4.000 Euro beim Kauf eines Elektroautos gibt.

(Text: Jens Krümmel, Volker Neumann)

Fazit:

Der Renault Zoe war im Jahr 2016 das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland und Europa. Er bildet damit die Speerspitze für eine Antriebsart, die einige für zukunftsweisend halten. Der Zoe ist ein Kleinwagen, der diesem Anspruch bei Qualität, Ausstattung und Komfort gerecht wird. Das Fahrzeug ist für einen Kleinwagen teuer, für ein Elektroauto jedoch billig. Wer sich für einen Renault Zoe entscheidet, sollte Mobilität anders denken als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor.

Renault ZOE

(c) Jens Krümmel

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