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Neuregelung bei der Mobilitätsservicezentrale der Deutschen Bahn News

Was sich ändert – und was nicht

Kürzlich sorgte eine Mitteilung der Deutschen Bahn AG zu Veränderungen bei der Mobilitätsservicezentrale (MSZ) für Verwunderung, Verwirrung sowie teilweise Enttäuschung und Wut bei vielen behinderten Menschen. MOBITIPP hat deshalb bei der Deutschen Bahn nachgefragt, was die Gründe für die Veränderung sind, was sich tatsächlich ändert und welche Entwicklung zu erwarten ist.

Was ist geschehen?

Zum 1. Februar 2019 trat bei der Deutschen Bahn (DB) eine Änderung im Mobilitätsservice in Kraft. Seit diesem Datum ist die Mobilitätsservicezentrale (MSZ) nicht mehr für die Anmeldung und Erbringung von Hilfeleistungen für alle Bahngesellschaften zuständig, sondern nur noch für die der DB sowie derjenigen Bahngesellschaften, die am Verfahren der MSZ teilnehmen.

Warum ist es zu dieser Veränderung gekommen?

Wie die DB mitteilt, hat sie die Leistungen der MSZ bisher unternehmensübergreifend für alle bundeseigenen und nicht bundeseigenen Unternehmen durchgeführt. Dies erfolgte bisher unentgeltlich, obwohl die DB im wirtschaftlichen Wettbewerb zu den nicht bundeseigenen Unternehmen steht. Nicht zuletzt weil die Zahl der Reisenden, die eine Hilfeleistung in Anspruch genommen haben, in den letzten vier Jahren um etwa 50 Prozent gestiegen ist (von 564.000 Hilfeleistungen in 2015 auf 815.000 Hilfeleistungen im Jahr 2018), hat die DB sich um eine Neuregelung und die Verteilung der Kosten bemüht und allen beteiligten Unternehmen einen Kooperationsvertrag angeboten. Diesen haben bisher 15 von 57 Bahnunternehmen angenommen, die deshalb auch weiterhin in die Zuständigkeit der MSZ fallen. Alle anderen Bahnunternehmen organisieren die Hilfe nun (vorläufig) selbst.

Wie kommentiert die DB die Änderungen?

Die DB betont in einer Stellungnahme, dass ihr „die Bedürfnisse von Reisenden mit Mobilitätseinschränkungen nach wie vor besonders am Herzen liegen. Menschen mit Behinderungen stellen für die Deutsche Bahn eine bedeutende Kunden- und damit Zielgruppe dar. […] Im Sinne des besten Service für Reisende mit Mobilitätseinschränkungen wünschen wir uns, dass alle Wettbewerbsbahnen Partner der MSZ werden und Reisende mit Mobilitätseinschränkungen nur einen Ansprechpartner haben.“

Was ändert sich für Reisende, die eine Hilfeleistung benötigen?

Durch die Änderung wird das Verfahren zur Anmeldung und Erlangung von Hilfeleistungen erschwert, wenn auf einer geplanten Reisestrecke auch Bahnunternehmen genutzt werden, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der MSZ fallen. In diesen Fällen müssen Reisende bei jedem Bahnunternehmen einzeln die Hilfe anmelden. Die DB betont aber, dass sie bemüht ist, die Einschränkungen für Reisende zu minimieren. „Der Service durch DB Servicemitarbeiter an den Bahnhöfen bleibt unverändert bestehen. Dritt-Unternehmen, die keinen Vertrag mit der MSZ geschlossen haben, gehen nun direkt auf DB Station&Service zu. DB Station&Service organisiert dann wie bisher das Ein-, Aus- und Umsteigen an den Bahnhöfen mit Servicepersonal. DB Station&Service arbeitet als Infrastrukturunternehmen diskriminierungsfrei.“ Das bedeutet konkret, dass die Hilfe wie bisher von denselben Mitarbeitern geleistet wird, dass diese aber bei bestimmten Bahnunternehmen nicht mehr über die MSZ angefordert werden können, sondern direkt bei dem entsprechenden Bahnunternehmen angefordert werden muss. Laut EU-Fahrgastrechteverordnung ist jedes Eisenbahnunternehmen verpflichtet, Reisende mit Mobilitätseinschränkungen zu befördern und bestmöglich zu unterstützen. Eine Verweigerung der Hilfsleistungen durch einzelne Bahnunternehmen ist damit ausgeschlossen oder zumindest anfechtbar.

Welche Bahnunternehmen sind der MSZ angeschlossen, welche nicht?

Damit Reisende sich darüber informieren können, wo sie Hilfe beantragen müssen und können, hat die DB auf Ihrer Internetseite Listen entsprechende veröffentlicht. Diejenigen Bahnunternehmen, die der MSZ angeschlossen sind, finden Sie hier:

https://www.bahn.de/wmedia/view/mdb/media/intern/barrierefrei-verzeichnis-nebahnen.pdf

Eine Liste aller nicht bundeseigenen Bahnunternehmen mit den Kontaktdaten existiert derzeit nicht. Die DB bemüht sich, eine solche Liste zu erstellen und online zur Verfügung zu stellen.

Bei den Bahnunternehmen, die in Liste 1 aufgeführt sind, können Sie die Hilfe nach wie vor direkt über MSZ anfordern.

Wie erkennen Reisende mit welchem Bahnunternehmen sie fahren?

In der Bahn-App sowie im Onlineportal der DB werden die Bahnunternehmen der jeweiligen Strecken aufgeführt. Reisende, die nicht online buchen, erhalten diese Auskunft von den Servicemitarbeitern der DB.

Werden die Leistungen der MSZ auch für Reisende kostenpflichtig?

Nein. Die Bahn betont, dass das Angebot der MSZ für Reisende weiterhin kostenfrei bleibt.

Wie geht es weiter?

Hierzu gibt es derzeit keine konkrete Stellungnahme der DB. Nach Lage der Dinge scheint es sich bei den Veränderungen um einen Machtkampf um die Kostenverteilung für die MSZ zwischen der DB und den nicht bundeseigenen Bahnunternehmen zu handeln. Es ist zu erwarten, dass nach und nach weitere nicht bundeseigene Bahnunternehmen das Angebot der DB annehmen und sich wieder über die MSZ betreuen lassen. Dies wird umso eher geschehen, je mehr Reisende bei nun nicht mehr angeschlossenen Bahnunternehmen Hilfe anfordern.

Wo finden Reisende weiterführende Informationen?

Die DB informiert auf ihrer Internetseite www.bahn.de/barrierefrei ausführlich über das Reisen mit Behinderung. Dort finden Interessenten auch die Kontaktmöglichkeiten zur MSZ.

(Text: Volker Neumann)

Neuregelung bei der Hilfe der DB

Zuggebundene Einstiegshilfe für Rollstuhlfahrer am ICE 4 , (c) Hans-Dieter Budde, Deutsche Bahn AG

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