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Melanie Heck: Reiterin mit Rollstuhl und einer Botschaft Mutmacher

Reiten mit Querschnittlähmung? Auf ihrer Facebook-Seite zeigt Melanie Heck, dass das prima funktionieren kann.

Die Nienburgerin, die mit Spina bifida lebt, hat ihre Leidenschaft fürs Reiten schon als Dreijährige entdeckt. Heute ist sie 26 Jahre alt und führt auf Facebook den persönlichen Blog „Reiten trotz Rollstuhl“. Zum Team „Melly und Rocky“ gehört noch ihr Ehemann Marcel. Melanie Heck gibt Auskunft, wie sie sich ihren Traum zu reiten verwirklicht.

MOBITIPP: Frau Heck, was bedeutet Ihnen das Reiten?

Melanie Heck: Das Reiten bedeutet mir sehr viel und tut mir gesundheitlich sehr gut. Ich entspanne mich dabei und werde zum Beispiel im Becken wieder lockerer.

MOBITIPP: Wie sind Sie überhaupt zu dem Sport gekommen?

Melanie Heck: Zum ersten Mal saß ich mit drei Jahren auf einem Pferd. Das war ein Angebot vom Kindergarten. Seitdem ist meine Leidenschaft für Pferde und das Reiten entflammt. Aber erst mit zehn Jahren habe ich angefangen, das Reiten richtig zu erlernen.

MOBITIPP: Sind Sie seitdem immer geritten?

Melanie Heck: Zwischendurch gab es immer mal Pausen. Zum Beispiel, weil ich keine passende Reitlehrerin oder passenden Reitlehrer hatte. Die ständigen Unterbrechungen haben mich irgendwann so genervt, dass ich mir vor etwa fünf Jahren ein eigenes Pferd gekauft habe.

Das war das Beste, was ich machen konnte. Ich kann jetzt selbst entscheiden, wann und wie oft ich reite und bin niemandem Rechenschaft schuldig. Mein Haflinger Rocky ist mein erstes eigenes Pferd und nicht speziell ausgebildet. Inzwischen ist er 27 Jahre alt. Ich reite ihn mithilfe meiner Stimme, durch Gewichtsverlagerung und mithilfe der Gerte. Er ist sehr einfühlsam und spürt, wenn es mir mal nicht so gut geht.

Bisher war keine meiner Reitlehrerinnen speziell ausgebildet. Alle haben es einfach mit mir ausprobiert und es hat dann geklappt!

MOBITIPP: Wie organisieren Sie Ihr Hobby, zumal Sie ja auch berufstätig sind?

Melanie Heck: Mein Mann Marcel hilft mir mit Rocky, da es ganz alleine nicht klappen würde. Marcel holt Rocky zum Beispiel von der Weide. Er hilft mir, ihn zum Reiten fertigzumachen und putzt ihn an den Stellen, an die ich nicht ran komme.

Rocky steht in einem Stall, der etwa 20 Minuten von uns entfernt ist. Er wird dort gefüttert, auf die Weide gelassen und wieder von der Weide geholt. Auch die Box wird ausgemistet. Von der Weide holen wir ihn nur, wenn wir in der Zeit, in der die Pferde immer draußen sind, etwas mit ihm machen möchten. Ich reite unterschiedlich oft. Meistens habe ich samstags Reitunterricht. Hilfsmittel benutzen wir keine.

MOBITIPP: Welche Botschaft wollen Sie mit Ihrem Facebook-Blog vermitteln?

Melanie Heck: Mit meiner Seite möchte ich den Menschen zeigen, dass man, auch wenn man im Rollstuhl sitzt oder eine andere Behinderung hat, vieles erreichen kann. Es gibt immer mehrere Wege. Schön ist, dass die Reaktionen auf meine Postings bisher immer positiv waren. Ich freue mich, dass sich so viele Menschen für uns interessieren, über die lieben Nachrichten, die ich oft bekomme und die netten Kommentare unter Fotos und Beiträgen.

 

 

Hier geht es zur Blogseite von Melanie Heck: https://www.facebook.com/Reiten-trotz-Rollstuhl-427035180748148/

 

Auf ihrer Facebook-Seite postet sie jetzt von Zeit zu Zeit Videos, in denen sie erklärt, was sie beim Reiten und dem Drumherum selbst machen kann und wo sie Hilfe benötigt.

(Text: Brigitte Muschiol)

Melanie Heck

(c) privat
Melanie Heck und ihr Haflinger Rocky: Melly reitet seit einigen Monaten mit einem Reitpad und nur noch selten mit dem Voltigiergurt. Auf einen Sattel verzichtet sie ganz, weil sie sich darauf nicht wohlfühlt.