MOBITIPP

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Kleine Dreiradfahrschule Spezialfahrräder, Handbikes & Co.

Wichtige Unterschiede mit einem Rad mehr kennen und beachten

Das hört sich gleich im doppelten Wortsinn nach Kinderkram an. Warum sollte man etwas Besonderes beachten, bloß weil das Fahrrad ein Rad mehr hat? Doch Experten wissen, dass sich schon so mancher Anfänger die Lust am Dreiradfahren gründlich verdorben hat, weil er die Unterschiede nicht gekannt oder ernst genommen hat. Wir geben Ihnen deshalb die wichtigsten Tipps, worauf sie beim Dreiradfahren achten sollten.

Die gute Nachricht gleich vorab: Vor dem Dreiradfahren braucht sich niemand zu fürchten. Im Gegenteil! Es hat seinen guten Grund, dass Dreiräder vor allem bei kleinen Kindern so beliebt sind. Ein Gegenstand, der drei Auflagepunkte hat, muss nach den Gesetzen der Physik stabiler sein als einer mit zweien. Für Menschen mit eingeschränktem oder fehlendem Gleichgewichtssinn oder halbseitig eingeschränkten Körperfunktionen ermöglicht ein Dreirad deshalb die selbstständige Fortbewegung an der frischen Luft, und zwar nicht nur Kindern, sondern insbesondere auch Erwachsenen.

Doch wer Jahre und Jahrzehnte lang Zweirad gefahren ist, muss auf einem Dreirad umdenken. Ein Fahrrad mit zwei Rädern fährt einspurig. Um dabei nicht umzufallen, benötigt man Geschwindigkeit und einen guten Gleichgewichtsausgleich. Beides ist beim Dreiradfahren nicht erforderlich. Das Dreirad ist auch im Stand stabil, und wer sich darauf während der Fahrt in die Kurve legt, erreicht oft genau das Gegenteil dessen, was er vorhatte.

Übung macht den Meister

Damit Sie Freude am Dreiradfahren haben und sicher unterwegs sind, haben wir hier ein paar Tipps zu den wichtigsten Herausforderungen zusammengetragen. Doch das ist graue Theorie. Wir empfehlen deshalb, dass Sie sich selbst einen Übungsparcours bauen und dort mit den wichtigsten Funktionen und Verhaltensweise Ihres neuen Fahrzeugs vertraut machen (s. Kasten). Zugegeben, das klingt vielleicht ein wenig übertrieben, und möglicherweise gehören Sie auch zu den Naturtalenten, die sich auf ein Dreirad setzen und losfahren, als wenn sie nie etwas anderes gemacht hätten. Wenn Sie aber zu der anderen Gruppe gehören, werden ein paar Übungseinheiten Ihnen helfen, Ihre neue Mobilität ganz unbeschwert zu genießen.

Übung 1: Aufsteigen

 

So besser nicht

Schon beim Aufsteigen auf ein Dreirad muss man einiges beachten. Da das Dreirad stabil steht, braucht man keinen Schwung nehmen und sich mit einem Fuß vom Boden abstoßen, um loszufahren. Das kann sogar gefährlich werden, weil das auf dem Boden verbleibende Bein vom anrollenden Hinterrad getroffen werden kann. Deshalb sollte das Aufsteigen in folgenden Schritten erfolgen:

  1. Feststellbremse arretieren
  2. einen Fuß durch den Rahmen heben und festen Stand mit dem Fahrrad zwischen den Beinen einnehmen
  3. auf den Sattel setzen
  4. Füße auf die Pedale setzen
  5. Feststellbremse lösen
  6. losfahren

Übung 2: Geradeausfahren

Lassen Sie es ruhig krachen, damit Sie Ihr Dreirad sicher beherrschen

Es mag sich seltsam anhören, aber etwa die Hälfte aller Anfänger auf einem Dreirad hat Schwierigkeiten damit, einfach geradeaus zu fahren. Sie sollten es deshalb nicht als Selbstverständlichkeit ansehen, dass Ihnen das auf Anhieb gelingt. Um das Geradeausfahren zu üben, sollten Sie einen Punkt in einiger Entfernung fixieren, auf den Sie zufahren wollen oder sich einen nicht zu engen Parcours mit einer schnurgeraden Strecken bauen. Achten Sie beim Fahren darauf, dass Sie den Oberkörper gerade halten und nicht versuchen, die Lenkung zu unterstützen, indem Sie das Gewicht verlagern.

Sollten Sie feststellen, dass Sie dennoch nicht geradeaus fahren, könnte es sein, dass Ihre Motorik einseitig ausgeprägter ist und Sie deshalb den Lenker ungleichmäßig zu sich heranziehen. In diesem Fall hilft es, wenn Sie sich das bewusst machen und üben, üben, üben. Experten wissen, dass es etwas dauern kann, bis das Gehirn umgelernt hat. Letztlich gelingt das aber in den allermeisten Fällen.

Übung 3: Kurven fahren

Ein selbstgestellter Parcours aus Plastikflaschen hilft Ihnen beim Üben

Ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Zwei- und einem Dreirad ist, dass man bei letzterem keine Gewichtsverlagerung zum Fahren von Kurven vornehmen muss. Das ist eine gravierende Umstellung, wenn man lange Zeit Zweirad gefahren ist. Deshalb sollten Sie das Fahren von Kurven auf einem Dreirad in Ruhe üben, bis Sie sich sicher fühlen. Dafür eignet sich gut ein Slalomkurs, bei dem Sie die Abstände zwischen den Hindernissen zunächst sehr weit setzen. Je sicherer Sie sich fühlen, desto enger können Sie die Hindernisse setzen.

Wichtig ist, dass Sie den Oberkörper jederzeit gerade halten. Versuchen Sie nicht, die Lenkung zu unterstützen, indem Sie sich mit dem Oberkörper in die Kurve legen. Was bei einem Zweirad hilfreich und sogar notwendig ist, kann bei einem Dreirad gefährlich werden. Da das Fahrrad Ihrer Bewegung nicht folgt, müssen sie den kurvenäußeren Arm ganz durchstrecken und ziehen ihn gegebenenfalls sogar zu sich heran – und damit auch den Lenker. Das wiederum führt dazu, dass Sie die Lenkbewegung aufheben oder sogar in die entgegen gesetzte Richtung lenken.

Ein wichtiger Faktor beim Fahren von Kurven mit einem Dreirad ist der Kipppunkt. Die meisten Dreiräder haben vorne ein Rad und hinten zwei Räder. Statisch gesehen ist diese Konstruktion beim Geradeausfahren und im Stand sehr stabil. Bei Kurvenfahrten schiebt das Gewicht allerdings nicht in Fahrtrichtung, sondern weiter geradeaus. So lange Sie mit angemessener Geschwindigkeit unterwegs sind, ist das kein Problem. Bei überhöhter Geschwindigkeit oder sehr plötzlichem und starkem Lenkereinschlag kann es passieren, dass das Dreirad umkippt.

Übung 4: Hubbel, Schlaglöcher und Bordsteinkanten

Wegen seiner drei Spuren verhält sich ein Dreirad beim Überfahren von Hindernissen anders als ein Zweirad

Im Gegensatz zu einem Zweirad hat ein Dreirad nicht nur eine Spur, sondern drei. Während man mit einem Zweirad kleinere Hindernisse wie Schlaglöcher oder Stöcke und Steine leicht umfahren kann, hat man mit einem Dreirad mitunter nur die Wahl des kleineren Übels: entweder mit dem Vorderrad oder mit einem der Hinterräder darüber zu fahren. Da ein Dreirad auf der Achse mit den zwei Rädern am stabilsten ist, sollten Sie eines dieser Räder wählen, um unvermeidliche Hindernisse im Weg zu überfahren. Ist zum Beispiel das einzelne Lenkrad vorne, könnte es ansonsten passieren, dass es seitlich verspringt und das ganze Gefährt instabil wird.

Ganz ähnlich verhält es sich, wenn Sie mit dem Dreirad eine Bordsteinkante hoch- oder runterfahren. Am einfachsten gelingt das, wenn Sie die Kante möglichst im Winkel von 90 Grad anfahren, weil dann die beiden Räder, die auf einer Achse liegen, gleichzeitig das Hindernis bewältigen. Fahren Sie den Bordstein in einem spitzen Winkel an, bleibt das Dreirad bei angemessener Geschwindigkeit in aller Regel stabil. Das Fahrgefühl ist aber ungewohnt, weil das Rad mit dem kurveninneren Reifen zuerst an Höhe gewinnt und deshalb leicht in die entgegengesetzte Richtung abkippt. Die natürliche Bewegung bei einem Zweirad ist genau anders herum.

Übung 5: Abmessungen kennenlernen

Damit Sie keine Passanten, Bordsteine oder Begrenzungspfosten anfahren, sollten Sie die Abmessungen Ihres Dreirads gut kennen

Ein Dreirad ist immer breiter als ein Zweirad. Dessen sollten Sie sich bewusst sein und sich mit den Dimensionen Ihres fahrbaren Untersatzes vertraut machen. Dazu eignet sich gut ein Parcours, dessen Hindernisse zu Beginn der Übung breit auseinanderstehen und die mit zunehmender Gewöhnung immer enger aneinandergestellt werden. Nehmen Sie dabei ruhig in Kauf, dass Sie einzelne Markierungen umfahren. Je besser Sie die Ausmaße Ihres neuen Fahrzeugs kennen, desto sicherer werden Sie später im Straßenverkehr unterwegs sein.

Grundsätzlich gilt, dass Dreiräder meistens ungefähr so breit sind wie ihr Lenker. Wenn Sie also mit dem Lenker durch eine Engstelle passen, wird der Rest des Fahrrads vermutlich auch hindurchpassen. Übrigens sind viele Dreiräder bei weitem nicht so breit, wie es den Anschein hat. Meistens passen sie knapp noch durch eine gewöhnliche Zimmertür mit einer 80er Breite.

Es ist wichtig, dass Sie sich mit der Breite des Fahrrads vertraut machen, damit Sie im Straßenverkehr nicht zu nah am Rand fahren, aber auch nicht zu weit von ihm weg. Außerdem sollten Sie beim Überholen oder bei Vorbeifahrten an Hindernissen wie zum Beispiel Passanten einen ausreichenden Abstand einhalten können. Auch beim Befahren von Radwegen ist es wichtig, dass Sie ein Gefühl dafür haben, wie breit ihr Fahrrad ist. Gerade im Begegnungsverkehr oder bei der Umfahrung von Hindernissen könnte es sonst passieren, dass sie mit einem Rad den Kantstein herunterrutschen.

Aber auch das beste Wissen um die Breite Ihres Dreirads hilft bei manchen Umlaufsperren (auch Drängelsperren genannt) nichts. Sie werden mitunter absichtlich in Fußgänger- und Radwege eingebaut, um die Nutzer vor gefährlichen Stellen zum Absteigen beziehungsweise zu erhöhter Vorsicht zu zwingen. Wo es schon mit einem gewöhnlichen Zweirad mühsam ist, diese Umlaufsperren zu passieren, kann es mit einem Dreirad mitunter unmöglich sein. Hier lohnt es sich, die Tour schon vorher so zu planen, dass solche Hindernisse vermieden werden.

Übung 6: Absteigen

Die Feststellbremse sorgt für einen festen Stand beim Auf- und Absteigen

Juchhu, das Ziel ist erreicht, jetzt aber runter vom Rad, und zwar am besten während es noch die letzten Zentimeter ausrollt. Was bei einem Zweirad gang und gäbe ist, kann bei einem Dreirad schmerzhaft enden. Denn während der Fuß bereits fest auf dem Boden steht, kommen von hinten noch die Räder angerollt. Deshalb gilt es, beim Absteigen die umgekehrte Reihenfolge wie beim Aufsteigen einzuhalten:

  1. Bis zum vollständigen Stillstand anhalten
  2. Feststellbremse arretieren
  3. Füße auf den Boden stellen
  4. Vom Sattel absteigen
  5. Mit einem Bei durch den Rahmen steigen

 

Unsere MOBITIPPs:

  • Bitten Sie jemanden, Sie zu den Übungsfahrten zu begleiten. Ein Außenstehender sieht oft besser, wenn Sie einen Fehler machen.
  • Suchen Sie sich für Ihre Fahrübungen eine ebene und möglichst freie Fläche. Eine große Grundstückseinfahrt oder ein leerer Parkplatz sind ideal.
  • Stellen Sie sicher, dass das Fahrrad ideal auf Ihre Körpergröße und Anforderungen eingestellt ist.
  • Machen Sie sich mit allen Funktionen des Fahrrads vertraut, bevor Sie losfahren.
  • Besorgen Sie sich etwas, mit dem Sie eine Strecke oder einen Slalomkurs markieren können. Leitkegel wären ideal, Sie können aber zum Beispiel auch Getränkeflaschen aus Kunststoff mit einer möglichst gut sichtbaren Flüssigkeit nehmen.
  • Fahren Sie zunächst langsam und machen Sie sich mit dem Bremsverhalten Ihres Fahrrads vertraut. Die meisten Dreiräder haben zwei Bremsen, die Sie einzeln und gemeinsam ausprobieren sollten.
  • Setzen Sie Ihre ersten Übungsparcours großzügig. Sie müssen nicht mit der ersten Fahrt einen engen Slalomkurs fehlerfrei meistern. Besser, Sie sehen die Fortschritte, die Sie machen, als Sie frustrieren sich selbst durch zu ambitionierte Ziele gleich zu Beginn.
  • Haben Sie Geduld mit sich selbst! Dreiradfahren ist buchstäblich kinderleicht. Wenn nicht gleich zu Beginn alles wie gewünscht funktioniert, üben Sie einfach weiter.
(Text: Volker Neumann, Fotos: Tim Assmann)

Die Dreiradfahrschule des MOBITIPP

(c) neoskript

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