MOBITIPP

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Karoline Böhnke: Mutter mit Macherqualitäten Mutmacher

Eine Rollstuhlfahrerin gibt einen Einblick, wie sie ihr Leben als Mutter von zwei kleinen Töchtern organisiert.

Mit Josefine (10) und Antonia (7) ist Karoline Böhnkes Wunsch nach einer Familie mit eigenen Kindern in Erfüllung gegangen. Die 35-Jährige aus Neustadt/Ostholstein an der Ostsee lebt mit einer inkompletten Querschnittlähmung infolge von Spina bifida und arbeitet als Erzieherin. Zu ihren Stärken gehören ihre optimistische Lebenseinstellung und ihre Tatkraft.

MOBITIPP: Frau Böhnke, welche Rolle spielen Kinder in Ihrem Leben?

Karoline Böhnke: Mir war früh klar, dass sich mein Leben intensiv um Kinder drehen soll. Deshalb habe ich darum gekämpft, auch als Rollstuhlfahrerin eine Ausbildung als Erzieherin machen zu können. Es gab natürlich große Bedenken, aber ich habe bewiesen, dass ich den Aufgaben gewachsen bin.

Heute begleiten mich Kinder den ganzen Tag über. Vormittags arbeite ich als Erzieherin in einer städtischen Kinderkrippe und erfreue mich an der Wissbegierde, Unbeschwertheit und Fröhlichkeit der Kinder. Der Nachmittag gehört größtenteils unseren Töchtern Josefine und Antonia. Ich unterstütze sie bei ihren Hobbys wie Handball und versuche, sie so selbstständig wie möglich zu erziehen.

MOBITIPP: Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit den Kindern?

Karoline Böhnke: Ich habe einen sehr hilfsbereiten Freundes- und Familienkreis in naher Umgebung. Wenn ich zum Beispiel beim Wäscheaufhängen Hilfe brauche, ist innerhalb weniger Minuten jemand für mich da. Unser Haus ist aber soweit umgebaut, dass ich vieles alleine bewältigen kann.

Ins obere Stockwerk komme ich mit einem Treppenlift. Mein Mann Stefan hat mir außerdem einen Lift in den Garten gebaut und Möbel wie die Wickelkommode tiefergelegt. Die Küche ist mit einem unterfahrbaren Herd und tiefergelegten Schränken und Backofen ausgestattet. Dabei bin ich noch nicht mal eine Küchenqueen… Außerdem habe ich eine Putzhilfe.

Unser Golden Retriever Frieda ist darauf trainiert, mir Gegenstände aufzuheben, was mir den Alltag sehr erleichtert. Mit dem umgebauten Auto, dem umgebauten Segway und einem Rollstuhlzuggerät bleibe ich mit den Kindern mobil, zumal mein Mann beruflich viel unterwegs ist.

MOBITIPP: Wie haben Sie sich auf Ihre Schwangerschaften vorbereitet?

© privat

Karoline Böhnke: Im Wesentlichen habe ich mich den gängigen Untersuchungen unterzogen und war zweimal im gleichen Krankenhaus, wo ich mich gut betreut fühlte. Ich spreche bei dieser Frage aber nur für mich. Die Voraussetzungen sind ja nie gleich.

Ansonsten habe ich mich in speziellen Internetforen mit anderen Frauen ausgetauscht. Mein Favorit lewu.de scheint aber nicht mehr in Betrieb zu sein. In den Foren haben wir Ideen ausgetauscht, wie zum Beispiel ein selbst gebautes Buggyboard am Rollstuhl anzubringen.

MOBITIPP: Haben Sie denn noch Zeit für Hobbys?

Karoline Böhnke: Ich liebe Musik und gehe gern mit meinen Freunden zum Tanzen. Außerdem besuche ich gern die Konzerte von Dieter Thomas Kuhn. Sie sind eine fröhliche Abwechslung in meinem Leben. Konzerte wirken einfach lange nach!

(Text: Brigitte Muschiol)

Karo Böhnke mit ihrem Mann Stefan

(c) Tina Kolbe
Powerpaar: Karoline und Stefan Böhnke. Die beiden lernten sich auf einer Geburtstagsfeier kennen, auf der Stefan heimlich seine Telefonnummer ins Karolines Handy tippte. Er hatte noch eine frühere Begegnung in Erinnerung. Als er mal mit Inlineskates unterwegs war, überholte ihn eine Gruppe von Radfahrern mit einer fröhlichen jungen Frau im Rollstuhl im Schlepptau: Karoline.