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Jörg Diehl: Faszination Powerchair Hockey Mutmacher

Der Kapitän der Nationalmannschaft liebt den schnellen Spielfluss

Jörg Diehl brauchte dringend einen neuen Sportrollstuhl. Innerhalb von wenigen Tagen spendeten 301 Unterstützer die gesamte Summe. Rund 15.000 Euro. MOBITIPP wollte mehr über den Sport wissen und erreichte den glücklichen Kapitän des deutschen Powerchair-Hockey-Nationalteams in den Niederlanden.

Man merkt Jörg Diehl selbst am Telefon an, wie beeindruckt er von der Hilfsbereitschaft der Menschen ist: „Ich habe gehofft, aber nichts erwartet.“ Was ihn berührt: „So viele Einzelspender. Das ist nicht zu fassen!“ Sein altes Sportgerät war kaputt, die Neuanschaffung ist Spielersache. Jetzt ist die Finanzierung gesichert.

15.000 Euro kostet der speziell für Powerchair Hockey konzipierte Sportrollstuhl — E-Hockey heißt heute Powerchair Hockey. Bis das Schätzchen da ist, spielt der 36-Jährige in einem geliehenen Sportrolli. Zum Beispiel jetzt bei einem Internationalen Turnier in Eindhoven, wo sich vierzehn Powerchair-Hockey-Mannschaften aus sechs Ländern einen sportlichen Wettkampf liefern.

Seit bald 20 Jahren gehört Jörg Diehl dem Verein Torpedo Ladenburg in Heidelberg an. Die Zeiten, in denen man im Alltagsrolli aufs Spielfeld rollte, sind lange vorbei: „Es ist Wahnsinn, wie sich unser Sport entwickelt hat“, sagt der Festschläger-Spieler mit der Nummer 22. „Unsere Sportgeräte haben in den letzten zehn Jahren einen Quantensprung erlebt. Sie beschleunigen schnell, sind superwendig. Dank der 15 Stundenkilometer schnellen Rollstühle kommt ein rasanter Spielfluss zustande.“ Powerchairs eben.

Mannschaftssport für Menschen mit schwerer Behinderung

Was Jörg Diehl, der mit Spinaler Muskelatrophie lebt, noch an seinem Sport schätzt: Er gibt Menschen eine Chance, einen Mannschaftssport auszuüben, die sie aufgrund der Schwere und Art ihrer Behinderung sonst nicht hätten. Bei einem Spiel treten Teams mit jeweils vier Feldspielern und einem Torwart gegeneinander an. Frauen und Männer jeden Alters spielen gemeinsam in einer Mannschaft. Chancengleichheit wird erreicht, indem für den Grad der Behinderung Punkte vergeben werden. Das bedeutet rechnerisch: Wer Spieler mit schwerer Behinderung einsetzt, darf auch einen besonders fitten Sportler dabei haben. Der Ball darf nicht höher als 20 Zentimeter geschlagen werden.

Der Kapitän hofft, dass mehr Kinder und Jugendliche Powerchair Hockey als Sport für sich entdecken. Für ihn ist aber erst einmal ein anderer Traum in Erfüllung gegangen: Mit dem neuen Powerchair kann der Kapitän bei der Weltmeisterschaft 2018 in Italien wieder die deutsche Mannschaft anführen!

Wer Interesse an diesem rasanten Sport hat, kontaktiert Jörg Diehl auf Facebook oder nutzt die Webseite www.elektro-rollstuhl-sport.de

Das Finale der WM 2010 könnt ihr euch hier anschauen: https://vimeo.com/30140010

(Text: Brigitte Muschiol)

Voller Einsatz

Jörg Diehl (2.v.l.), Kapitän der Deutschen Powerchair Hockey-Nationalmannschaft, wünscht sich engagierten sportlichen Nachwuchs.
Quelle: EWH2014