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Integrativer Mannschaftssport Sport mit Handicap

Sportart: Rollstuhlbasketball

Wenn populäre Behindertensportarten aufgezählt werden, ist Rollstuhlbasketball garantiert auf einem der vorderen Plätze dabei. Das liegt unter anderem daran, dass diese Mannschaftssportart so integrativ ist wie kaum eine andere. Es lassen sich nicht nur gut unterschiedliche Behinderungsarten kombinieren, auch nichtbehinderte Basketballer können Teil des Teams sein. Kein Wunder also, dass Rollstuhlbasketball schon seit beinahe 60 Jahren eine paralympische Sportart ist.

Erfunden wurde die Sportart 1946 von ehemaligen Basketballspielern der USA, welche nach Kriegsverletzungen sportlich aktiv bleiben wollten. Heute wird in circa 80 Ländern von über 250.000 Menschen (behindert und nichtbehindert sowie Männer und Frauen) gespielt. Die „International Wheelchair Basketball Federation“ (IWBF) ist dabei der internationale Dachverband, dem seit 1993 50 Mitgliedsstaaten angehören. Zu den Paralympics gehört die Sportart seit 1960.

Die IWBF trägt darüber hinaus drei Hauptwettbewerbe für Vereinsmannschaften im Rollstuhlbasketball aus: den Champions-Cup (seit 1976), den André-Vergauwen-Cup (seit 1986) und den Willi-Brinkmann-Cup (seit 1997). Die Zuteilung der Startplätze für diese Wettbewerbe entsteht aus einer Dreijahres-Nationswertung dieser Pokalwettbewerbe sowie dem Nationsranking der IWBF. Alle drei Wettbewerbe werden als Turnier mit je drei Vorrundengruppen und einem Endrundenturnier ausgetragen.

Die Regeln dieser Basketballart ähneln den Regeln des klassischen Basketballs, sind jedoch an die Gegebenheiten der Rollstuhlnutzung sowie die Behinderungen der Spieler angepasst. Der größte Unterschied ist dabei die Klassifizierung der Spieler, welche dazu dient, die unterschiedlich starken Behinderungen der Spieler auszugleichen.

Die Klassifizierung

Bei der Klassifizierung der Spieler geht es nicht nur darum, einen Ausgleich zwischen den Behinderungen zu schaffen, sie wird auch in acht Stufen eingeteilt. Die Einteilung richtet sich dabei nach der Fähigkeit des Spielers, verschiedene Bewegungen auszuführen. Die niedrigste Punktzahl zeigt dabei den höchsten Behinderungsgrad an. Die Unterteilung der Stufen erfolgt in 0,5er Schritten, wohingegen Frauen in einer gemischten Mannschaft zusätzlich einen generellen Punktabzug von 1,5 oder 1 Punkten erhalten. Dies liegt an der körperlichen Konstitution der Frauen sowie dem Stärkeunterschied zu den Männern.

Die Klassifizierung unterteilt sich folgendermaßen:

  • 1-Punkte-Spieler: Sie können die Beine nicht bewegen und haben nur eine geringe oder gar keine Rumpfkontrolle. Sie müssen ihre Arme verwenden, um in eine aufrechte Position zu kommen, sobald sie die Balance verloren haben. Zusätzlich fangen diese Spieler den Ball mit einer Hand über dem Kopf.
  • 2-Punkte-Spieler: Sie besitzen keine Beinfunktion, haben aber eine teilweise Rumpfkontrolle nach vorn. Sie sind nur begrenzt stabil im Sitz und müssen sich in der Kontaktsituation an Rollstuhl oder Oberschenkeln abstützen, um aufrecht zu bleiben. Zusätzlich sind sie in ihren Seitwärtsbewegungen und der Körperdrehung nicht frei.
  • 3-Punkte-Spieler: Sie haben gewisse Beinfunktionen und können ihren Rumpf normal bewegen. Beim Beugen nach vorn bis zum Boden, beim Aufrichten sowie der Rumpfdrehung gibt es keine Schwierigkeiten. Dennoch haben sie keine gute Rumpfstabilität zur Seite, können aber mit beiden Händen über dem Kopf fangen.
  • 4-Punkte-Spieler: Sie besitzen normale Rumpffunktionen, mit normalen Vorwärts- und Drehbewegungen, haben aber Schwächen in den Beinen und sind daher nicht in der Lage gleichmäßig kontrollierte Rumpfbewegungen zu beiden Seiten auszuführen. Sie sind stabil im Rollstuhlkontakt und beim Fangen der Bälle.
  • 4,5-Punkte-Spieler: Sie sind am wenigsten behindert und besitzen nur geringe Einschränkungen an den Beinen oder sind einseitig unterschenkelamputiert. Ihnen sind normale Rumpfbewegungen in alle Richtungen möglich und sie sind auch stabil in Kontaktsituationen.

 

Über diese Klassifizierung hinaus gibt es Spieler, die nicht genau klassifiziert werden können, sodass sie einen halben Punkt zu einer bestimmten Klasse hinzubekommen. Dadurch entstehen Klassifizierungen von 1,5, 2,5 und 3,5 Punkten. Die Gesamtpunktzahl einer Mannschaft darf dabei 14 Punkte nicht überschreiten. Einzige Ausnahmen bilden die 1. und 2. Bundesliga sowie die Regionalliga in Deutschland und die die österreichische Liga mit 14,5 Punkten.

Das Spiel

Gespielt wird in speziellen Sportrollstühlen, deren Rahmen fest verschweißt und äußerst belastbar sind. Darüber hinaus muss jeder dieser Rollstühle mit einem Rammbügel ausgerüstet sein. Die Sitzposition der Spieler richtet sich nach der Behinderung sowie der Spielposition. Ein Achssturz von bis zu 21 Grad macht den Rollstuhl wendig und fahrstabil.

Jedes Team besteht aus fünf Feldspielern, inklusive bis zu sieben Ersatzspielern. Gespielt wird vier Mal zehn Minuten auf einem normalen Basketballfeld mit ebenfalls normaler Korbhöhe von 3,05 Metern. Zwischen den Vierteln gibt es unterschiedlich lange Pausen. Nach dem ersten und dritten Viertel gibt es eine Pause von zwei Minuten, nach dem zweiten Viertel eine Pause von 15 Minuten. Herrscht nach dem vierten Viertel Gleichstand, gibt es eine Verlängerung von fünf Minuten. Diese Verlängerung kann bis zur Entscheidung des Spiels wiederholt werden. Die Punkte werden wie beim klassischen Basketball gezählt.

Jedes Team hat dabei je 24 Sekunden Zeit, einen Korb zu erzielen. Ist es innerhalb dieser 24 Sekunden nicht möglich, einen Korb zu machen oder den Ball gegen den Ring zu spielen, geht der Ball an das gegnerische Team. Zusätzlich muss der Ball während der Spielphase gedribbelt werden. Betätigt ein Spieler mehr als zweimal seinen Greifring ohne dabei zu dribbeln, gilt dies als Schubfehler. Darüber hinaus ist es beim Rollstuhlbasketball nicht erlaubt, den Boden während des Spiels mit den Füßen zu berühren.

Viele Gemeinsamkeiten zum klassischen Basketball

Eine weitere Regel beim Rollstuhlbasketball besagt, dass der Ball innerhalb von 8 Sekunden in der gegnerischen Spielhälfte sein muss. Zusätzlich darf sich der Spieler im Ballbesitz nicht länger als drei Sekunden in der gegnerischen Hälfte aufhalten (3-Sekundenregel). Ist der Spieler dagegen in der Wurfbewegung oder hat seine Hände oben, greift diese Regel nicht. Eine weitere Ausnahme stellt die Behinderung des Spielers dar. Ist der Spieler aufgrund seiner Behinderung nicht in der Lage, innerhalb von drei Sekunden aus der Zone heraus zu sein, greift die 3-Sekundenregel nicht. Auch bei der Handhabung der Fouls gibt es im Rollstuhlbasketball keine Unterschiede zum klassischen Basketball.

(Text: Anne Förster)

Fazit:

Rollstuhlbasketball bietet Tempo, Athletik und Kampfgeist. Der Sport erfordert einen guten Umgang mit dem Rollstuhl sowie dem Ball. Rollstuhlbasketball ist sehr integrativ, weil sich unterschiedliche Behinderungsarten gut in einer Mannschaft mischen lassen. Auch nichtbehinderte Menschen können problemlos mitmachen. Nicht zuletzt deshalb gehört Rollstuhlbasketball zu den beliebtesten und integrativsten Sportarten für behinderte Menschen.

Beim Rollstuhlbasketball geht's hoch her

(c) Andi Weiland, gesellschaftsbilder.de

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