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Andreas Pröve: Weltenbummler im Rollstuhl Mutmacher

Indien, der Orient und demnächst China – Andreas Pröve erkundet die Welt und begeistert mit seinen Reiseberichten

Er ist einer der erfahrensten Globetrotter im Rollstuhl: Nach einem Verkehrsunfall 1981 und der Diagnose Querschnittlähmung wurde aus dem Tischler Andreas Pröve ein bekannter Fotoreporter. Seine erste Reise 1984 führte ihn nach Indien. Zu den extremsten Abenteuern zählt die 5.700 Kilometer lange Tour entlang des Mekongs von Vietnam bis ins tibetische Hochland.

MOBITIPP: Herr Pröve, was treibt Sie zu Ihren Abenteuerreisen an?

Andreas Pröve: Das ist vor allem die Neugierde, die Welt kennenzulernen. Vielleicht ist sie bei mir, wie bei vielen Rollstuhlfahrern, besonders ausgeprägt. Wer zum Beispiel nach einem Unfall stark in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, verspürt oft das Bedürfnis, noch weiter rauszugehen, noch mehr zu erleben und auszutesten, wie weit man mit dem Rollstuhl kommt. Das war bei mir der Antrieb. Ich kann nicht zu Hause sitzen, sondern muss die Welt sehen.

MOBITIPP: Was ist der größte Schatz, den Sie von Ihren Reisen mitgebracht haben?

Andreas Pröve: Zu den unvergänglichen Schätzen gehören die Erinnerungen. An die Landschaften, an die Begegnungen mit den Menschen. Sie sind vor allem im Hinblick auf eine Zeit wertvoll, in der mir solche Reisen vielleicht nicht mehr möglich sind. Deshalb lebe ich intensiv. Ich will mir nicht vorwerfen müssen, auch nur eine Minute meines Lebens verplempert zu haben. Die Erinnerungen sind die Belohnung für die Strapazen, die die Reisen mit sich bringen.

MOBITIPP: Haben Sie Tipps für Rollstuhlfahrer, die sich auch die Welt anschauen wollen?

Andreas Pröve: Lassen Sie sich nicht von Menschen ins Bockshorn jagen, die sagen, dass etwas nicht geht! Man muss ja nicht in so extreme Gebiete reisen wie ich. Für manche kann es schon ein Abenteuer sein, überhaupt einen Urlaub zu wagen.

Und machen Sie sich nicht verrückt. Die allermeisten der befürchteten Probleme treten gar nicht auf. Dafür andere, die man vor Ort lösen muss und kann. Ich habe zum Beispiel bisher höchstens dreimal im Freien übernachtet und immer genug zum Essen gehabt. Natürlich bezahle ich dafür, aber man kann nicht alles im Voraus planen.

MOBITIPP: Und logistisch?

© Nagender Chhikara

Andreas Pröve: Auf das Reiseland muss man sich gründlich vorbereiten. Besonders wichtig sind die Hilfsmittel. Ich lege mir vor den Reisen entlang meiner Routen Depots an. In Hotels oder bei Privatleuten. Auch mit den Fluggesellschaften sollte man rechtzeitig und genau klären, welche Fahrzeuge, Akkus und Hilfsmittel mitgeführt werden und was zu beachten ist. Dabei habe ich großes Entgegenkommen erlebt. Spontan ist kaum etwas möglich.

MOBITIPP: Sie schreiben Bücher, halten Vorträge, veranstalten Lichtbildshows. Was fasziniert die Menschen an Ihren Reisen?

Andreas Pröve: Mit meiner Art zu reisen bin ich nah an der Bevölkerung. Ich mache Fotos, Interviews und drehe Videos. Das ist für das Publikum spannend. Darunter sind viele Rollstuhlfahrer mit ihren Fragen. Sie bekommen von mir Antworten aus erster Hand und ich später Postkarten aus aller Welt!

 

Weitere Informationen über Andreas Pröve, seine Bücher, Aktivitäten und Tourneedaten gibt es hier: www.proeve.com

Andreas Pröve ist Mitbegründer und Unterstützer der Initiative „Rainbow-Children-Center“, die sich um ausgesetzte Babys und Kinder mit Behinderung in Kenia kümmert: http://rainbow-children-center.org/

(Text: Volker Neumann)

Weltenbummler mit Rollstuhl

© Nagender Chhikara
Andreas Pröve, hier vor einer Pagode in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw. Auch nach mehr als 30 Jahren nichts von seiner Leidenschaft für ferne Länder verloren. Im Mai 2018 geht es nach China, entlang des Jangtsekiang, dem längsten Fluss Asiens.