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5. Mai 2020: Online-Protesttag für die Rechte behinderter Menschen News

Wegen der Corona-Pandemie findet der Europäische Protesttag der Behindertenbewegung mit seiner Kundgebung am 5. Mai 2020 im Internet statt.

Um 14 Uhr startet heute anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung unter www.maiprotest.de eine bundesweite Online-Kundgebung als Livestream im Internet. Das diesjährige Motto lautet „Behinderung macht #UN-sichtbar”. Schon im Vorfeld hatte die Interessenvertretung „Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.” (ISL) Betroffene und Aktivisten aufgerufen, Beiträge wie Reden und Videobeiträge für eine vielseitige Veranstaltung einzusenden.

Bisher kamen europaweit jeweils Hunderte von behinderten Menschen, Angehörige, Vertreter von Vereinen und Organisationen persönlich zum Europäischen Protesttag zusammen, um sich auszutauschen und für ihre Rechte einzutreten. In diesem Jahr wurden die Aktivitäten im Aktionszeitraum um und am 5. Mai zum ersten Mal seit 1992 kurzerhand in den virtuellen Raum verlegt.

Damit die Online-Live-Kundgebung am 5. Mai unter dem Motto „Inklusion von Anfang an. Jetzt geht’s los. Mit Dir!“ als zentrale Veranstaltung nicht sang- und klanglos im weltweiten Netz untergeht, riefen die Organisatoren engagierte Mitstreiter auf, sich mit interessanten digitalen Beiträgen zu Wort zu melden: mit einer Rede, Grußwort, Forderung, Initiative, Protestsong oder einem anderen kreativen Beitrag, der die Vielfalt der Themen und Anliegen behinderter Menschen in die Öffentlichkeit, in die Politik und in die Medien bringt. Der virtuelle Protest dürfte also trotz der ungewohnten Bedingungen sehr abwechslungsreich werden.

Ziele der Protestaktionen sind laut Mitteilung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) unter anderem Diskriminierungen in Corona-Zeiten zu verhindern und die Rahmenbedingungen einzufordern, um aus dieser Krise heraus eine barrierefreie, vielfältige und inklusive Gesellschaft zu schaffen.

 

ISL: Deutschland ist noch weit von Inklusion entfernt

„Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie zeigt sich schändlich, wie weit Deutschland trotz UN-Behindertenrechtskonvention noch von Inklusion und Barrierefreiheit entfernt ist“, sagt Ottmar Miles-Paul von der ISL. So würden zum Beispiel behinderte Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern derzeit meist genauso vergessen, wie die Menschen, die hinter verschlossenen Türen in Einrichtungen leben müssen. „Meist ohne Kontrollen und Kontaktmöglichkeiten müssen Hunderttausende Menschen unter erschwerten Bedingungen in Behinderten-, Alten- oder Pflegeeinrichtungen leben und sind dort zum Teil erheblichen Gefahren ausgesetzt.” Hier müsse man genau hinschauen und schnellstmöglich Benachteiligungen konsequent abbauen.

Vor allem werde in dieser Situation nach Ansicht von Uwe Frevert vom Vorstand der ISL deutlich, „dass das Leben behinderter und älterer Menschen immer noch geringer bewertet wird, als das von sogenannten nichtbehinderten Menschen”. Dies zeige sich besonders an der aktuellen Diskussion darüber, wer zuerst behandelt werden würde, wenn die Ressourcen knapp werden, bzw. wer ein Atemgerät bekomme, heißt es in der Mitteilung. Die Nachteile der Exklusion behinderter Menschen in Sondereinrichtungen würden auch daran deutlich, dass diejenigen behinderten Menschen weitgehend vergessen werden, die zu Hause wohnen und ihre Assistenz selbst organisieren.

 

Aktion Mensch: Corona verstärkt Probleme

Auch die Aktion Mensch e.V. warnt aus Anlass des Protesttags vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie vor einer drohenden Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung. Gerade in der aktuellen Krise zeige sich in vielen Bereichen, „dass Inklusion noch nicht funktioniert und Barrierefreiheit nicht mitgedacht wird”.

Missstände, die in der Gesellschaft bei der Umsetzung von Inklusion vorhanden seien, würden durch die aktuelle Situation „zum Teil sogar noch verstärkt”. Dazu gehören nach Auffassung der Sozialorganisation zum Beispiel der mangelnde Zugang zu Informationen über das Corona-Virus sowie die fehlende Ausstattung mit Schutzmaterialien. Auch das Homeschooling, also der Unterricht zuhause, sei für manche Kinder und Jugendliche auf Dauer problematisch, zum Beispiel für Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf.

 

 

Weitere Aktivitäten am 5. Mai 2020

Eine Hauptveranstaltung ist die bundesweite Live-Online-Kundgebung am 5. Mai ab 14 Uhr: www.maiprotest.de

Bereits ab 13 Uhr sendet „Radio Alex” in der Sendung „Voll Normal” Interviews mit behinderten Menschen aus verschiedenen Ländern Europas zum Protesttag und Corona: www.alex-berlin.de

Die Plattform Kobinet-Nachrichten begleitet den Tag mit einem Live-Blog zu Online-Aktionen am 5. Mai: https://kobinet-nachrichten.org/foren/protesttag-5-mai-2020/

ENIL-Webinar zum Thema „Flucht und Behinderung” des Europäischen Netzwerks zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen am 5. Mai von 14 bis 16 Uhr auf ZOOM.

Link zur Anmeldung: https://zoom.us/webinar/register/WN_DuzefXmhSR2TtRwbBVseAw

(Text: Julia Wagner)

Viele Online-Aktion 2020

(c) Aktion Mensch e.V.

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