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Janis McDavid: Vom Abenteuer, sich zu überwinden Mutmacher

„Ich liebe es, die Welt aus anderen Blickwinkeln zu sehen. Und wenn man sich dafür mal auf den Boden legen muss.“

Janis McDavid, Jahrgang 1991, wurde ohne Arme und Beine geboren. Er fährt selbst Auto, studiert Wirtschaftswissenschaften, hat ein Semester in London verbracht, hält Vorträge, reist um die Welt und plädiert für den Mut, über sich selbst hinauszuwachsen.

MOBITIPP: Herr McDavid, was hat Sie fürs Leben stark gemacht?

Janis McDavid: Stark gemacht hat mich eine Entscheidung im Alter von 15 oder 16 Jahren — mich anzunehmen, wie ich bin und mich auf das Positive in meinem Leben zu konzentrieren. Mir ist klar geworden, dass mein Leben in dem Moment, in dem ich das Positive sehe, positiv wird.

Dazu muss man wissen, dass ich mit acht Jahren nach einem Blick in den Spiegel plötzlich begriffen habe, dass ich anders aussehe als die meisten Menschen. Danach habe ich mich viele Jahre für meinen Körper geschämt und mich verkrochen. Aber das liegt hinter mir.

MOBITIPP: Was hat die Erkenntnis, wie Sie künftig leben wollen, mit Ihnen gemacht?

Janis McDavid: Sie hat mir einen enormen Schub gegeben. Ich wusste auf einmal, dass ich die großen Herausforderungen des Lebens meistern werde und viel mehr erreichen kann, als ich jemals dachte. Heute beschäftige ich mich nicht mehr mit dem, was ich sowieso nicht ändern kann. Ungutes versuche ich hinter mir zu lassen und daraus zu lernen. In diesem Sinne möchte ich die schwere Zeit auch nicht missen.

Mir ist bewusst geworden, wo meine Stärken liegen. So sehr, dass ich sagen kann: Ich habe keine Arme und Beine, aber sie fehlen mir auch nicht. Weil ich immer kreative Lösungen finde, um zu erreichen, was mir wichtig ist.

MOBITIPP: Kostet es Sie heute auch noch Überwindung, Neues auszuprobieren?

Janis McDavid: Ich würde es anders formulieren. Ich darf mich jeden Tag überwinden. Ohne Herausforderungen, für die ich mich überwinden muss, wäre es mir total langweilig. Denn ich liebe es, die Welt aus anderen Blickwinkeln zu betrachten, auch wenn man sich dafür mal auf den Boden legen muss. Die vermeintlich unmöglichsten Projekte finde ich am spannendsten.

MOBITIPP: Zum Beispiel?

Janis McDavid: Ein buddhistischer Mönch, der mich in einem Facebook-Video gesehen hatte, fragte an, ob ich in Sri Lanka Vorträge vor Kindern und Jugendlichen halten könnte. Selbst mein wohlmeinendes Umfeld riet mir ab. Zu viele Unwägsamkeiten.

Anfang Januar war ich dann in Sri Lanka. Ich werde nie vergessen, wie überglücklich eine etwa 15-jährige Rollstuhlfahrerin war. Ihr sei nie in den Sinn gekommen, dass sie eine Schule besuchen und ihr Leben selbst gestalten dürfe. Es lohnt sich also, etwas zu wagen und seine Grenzen zu erweitern.

© Katy Otto

MOBITIPP: Wie schätzen Sie den Einfluss der Digitalisierung auf die Mobilität von Menschen mit Behinderung ein?

Janis McDavid: Es werden sich noch ungeahnte Möglichkeiten ergeben. Das haben wir ja beim Internet bereits erlebt. Bei den Rollstühlen zeichnet sich das schon ab. Anfang Oktober habe ich in Düsseldorf den ersten digitalen Rollstuhl vorgestellt. Er hat sogar eine eigene App. Der Rollstuhl ist das Gerät, das uns neben dem Smartphone physisch am nächsten ist. Deshalb können Innovationen hier die Lebensqualität stark verbessern.

 

 

 

 

Infos zum smarten Rollstuhl von Janis findet ihr in diesem Video (etwa ab Minute 1:20): www.youtube.com/watch?v=ATv-BXqdR3Y

Mehr über Janis erfahrt ihr auf seiner Internetseite: www.janis-mcdavid.de

Auf Youtube gibt’s viele weitere spannende Videos von und über Janis.

(Text: Brigitte Muschiol)

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Janis McDavid

Janis McDavid ist in Bochum aufgewachsen. Er lebt in Bochum und Berlin und studiert Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten-Herdecke. Seit Oktober 2017 ist er Markenbotschafter von Invacare.
© Katy Otto